Samstag, Juli 22, 2017
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Bauzustand 2017

Nutzungskonzeption für den Wiederaufbau der Turmwindmühle ...


... „Düppler Mühle" in Magdeburg - Olvenstedt

 1. Vorbemerkung

Die Düppler Mühle wurde nach 1845 in der Form einer Turmwindmühle mit Außenkrühwerk errichtet. Ihre Aufgabe der Getreideverarbeitung zur Ernährung von Mensch und Tier erfüllte die Mühle bis etwa 1900. Danach wurde sie zu Wohnzwecken umgenutzt und umgebaut.

Durch einen Brand 1973 wurde die Inneneinrichtung vernichtet, und die Mühle verfiel zur Ruine. Seit Ende der Siebziger Jahre gab es immer wieder Überlegungen, die Mühle einer neuen Nutzung zuzuführen. All diese Gedanken wurden allerdings nicht konsequent umgesetzt.

Der Verein zum Erhalt der Düppler Mühle Magdeburg e. V. hat sich das Ziel gestellt, das bedeutende technische Denkmal der Stadt Magdeburg vor dem endgültigen Verfall zu bewahren.

2. Die kulturgeschichtliche Bedeutung der Mühle

Die rasante Entwicklung der Stadt Magdeburg im 19. Jahrhundert, unter anderem auch durch die hohe Bodenqualität der Magdeburger Börde, führte zu einer großen Dichte von Verarbeitungsbetrieben landwirtschaftlicher Erzeugnisse in der Stadt und ihrem Umfeld. Wenn heute eine Windmühle als letzter Zeuge dieser Entwicklung im Stadtgebiet vorhanden ist, so stellt das eine Besonderheit von hohem technik-, kultur­ und sozialgeschichtlichem Wert dar. Es ist wichtig, all diese Elemente gleichrangig im Nutzungskonzept zu berücksichtigen und sie den Besuchern und der Öffentlichkeit nahezubringen. Das gelingt nur durch Authentizität der Sanierung und der Nutzung.

3. Die Nutzung der Mühle

 Um der Nachwelt ein getreues Abbild der historischen Vergangenheit zu vermitteln, ist eine material- und formgetreue Rekonstruktion unerlässlich.

Der Baukörper ist in seinem historischen Mauerwerk zu ergänzen, die Mühlenhaube ist weitgehend in der nach Fotos erfassbaren Form zu rekonstruieren. Das für unsere Region recht seltene Außenkrühwerk ist wiederherzustellen.

Die Flügel haben in ihrer Entwicklung vielfache technische Veränderungen erfahren, um einen immer besseren Nutzeffekt zu erzielen. Ursprünglich waren wohl Jalousie- klappenflügel oder Besegelung vorhanden.

Damit wäre die Mühle wieder als wichtige Landmarke im Stadtbild trotz weitgehenden Verlustes des ehemals ebenen freien Umfeldes wahrnehmbar.

Wesentlich wäre es, die noch westlich und südlich vorhandene freie Fläche mit niedriger Bebauung gesetzlich festzuschreiben und von hoher Bebauung freizuhalten.

Die Ausstattung der Mühle mit Verarbeitungsmaschinen muss soweit komplettiert werden, dass der einfache Verarbeitungsprozess vom Getreide zum Mehl für den Besucher nachvollziehbar wird. Das bedeutet, dass die Mühle windgängig ist und folgende maschinelle Ausstattung besitzt (obere 2 Böden):

-              Kammrad mit Presse

-              Mahlgang

-              Sichter

-              Elevator

-              Absackung

-              Leitungen

Der Betrieb sollte soweit organisiert werden, dass von Zeit zu Zeit Schaumahlen durchgeführt werden kann. Dazu muss vorgereinigtes Getreide verwendet werden, um die aufwendigen Reinigungsprozesse des Getreides in der Mühle zu vermeiden. Dennoch muss ein erheblicher Aufwand an Säuberung der Maschinerie zum Schutz vor Ungeziefer erbracht werden.

Die Mühle ist heute wegen ihres hohen Schauwertes kaum noch als Produktionsstätte des Müllers zu betrachten, sondern muss als Begegnungsstätte mit hohem Besucherverkehr gesehen werden. Das findet schon während des Bauantrags­ verfahrens seine Beachtung, indem Fragen der Sicherheit und des Brandschutzes in besonderer Weise zu berücksichtigen sind. Es ist wichtig, eine Ebene als museale Ausstellungsfläche zur Mühlengeschichte der Düppler Mühle und der Stadt Magdeburg zu nutzen. Darüber hinaus, gegebenenfalls auch in Zusammenhang mit der Ausstellung ist ein Raum (beheizbar) für Veranstaltungen verschiedener Art auszustatten. Im Keller sind Toiletten- und Wirtschaftsräume unterzubringen. Je besser es gelingt, die Mühle für Besucher interessant zu nutzen, desto größer ist die Anziehungskraft der Mühle für ihr Umfeld und für die Generierung der Mittel für Pflege und Aufwand.

Autor: Dipl.-Ing. Erhard Jahn Badewitzstrasse 11 39326 Wolmirstedt Tel.: 039201/722050 oder ~ /21478 Fax ~ /22707 Funk: 0172 5115542